Sehr geehrte Mandanten und Geschäftspartner,
auch in diesem Jahr wurde von der KfW Bankengruppe eine Befragung kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland durchgeführt. Insgesamt haben 12.500 Unternehmen teilgenommen, unter anderem auch die ABG Consulting-Partner GmbH & Co. KG. Das daraus resultierende KfW-Mittelstandspanel dient zur Gewinnung repräsentativer und aufschlussreicher Erkenntnisse über wichtige Belange mittelständischer Unternehmen. Die Daten hierfür werden im Rahmen einer schriftlichen Wiederholungsbefragung der kleinen und mittleren Unternehmen mit einem Umsatz von bis zu 500 Mio. € pro Jahr erhoben.
Mithilfe des KfW-Mittelstandspanels sind Analysen sowohl zu Veränderungen in der Struktur des Mittelstandes als auch zur Entwicklung der Einschätzungen, Probleme und Pläne der KMU möglich. Schwerpunktmäßig werden dabei jährlich wiederkehrende Informationen zur Unternehmensentwicklung, zur Investitionstätigkeit und zur Finanzierungsstruktur erfragt.
Im Folgenden möchten wir Ihnen gern einige Auszüge aus dem aktuellen Ergebnis-bericht des KfW-Mittelstandspanels 2011 vorstellen.
Beschäftigungszuwächse in 2010
Aus der tiefsten Rezession der Nachkriegszeit im Jahr 2009 ist der Mittelstand gestärkt hervorgegangen. Der Anteil der Unternehmen, die ihre Mitarbeiterzahl 2010 steigerten, lag um zehn Prozentpunkte über dem Anteil der Mittelständler, die Be-schäftigung abbauten. Getrieben wurde diese positive Entwicklung vor allem von KMU mit 50 und mehr Beschäftigten sowie den mittelgroßen Unternehmen mit 10 bis 49 Mitarbeitern. Aber auch das Verarbeitende Gewerbe sowie die Baubranche konnten nach ihren eigenen Angaben überdurchschnittlich hohe Beschäftigungszuwächse
Auch in 2011 bleiben die Beschäftigungsaussichten im Mittelstand positiv, auch wenn die Dynamik des Vorjahres nicht ganz erreicht werden wird. Diese nachlassen-de Dynamik findet sich mit Ausnahme des Einzelhandels in alle Branchen- und Größensegmenten des Mittelstands. Getragen wird die Beschäftigungsentwicklung in diesem Jahr vor allem von den größeren Mittelständlern. Damit stellen diese Unternehmen den entscheidenden Beschäftigungsmotor nach der Krise dar. Ebenfalls über relativ gute Beschäftigungserwartungen verfügt das Verarbeitende Gewerbe. Es ist hervorzuheben, dass kein Segment des Mittelstands beabsichtigt im Jahr 2011 Beschäftigung abzubauen.
Deutliche Umsatzzuwächse im Mittelstand
Die spürbare wirtschaftliche Erholung des Jahres 2010 spiegelt sich auch in der Um-satzentwicklung wider. Der Einzelhandel und die Baubranche konnten dabei deutlich überdurchschnittlich zulegen. Hierbei dürfte insbesondere die Baubranche von den umfangreichen Konjunkturpaketen, auch noch im Jahr 2010, profitiert haben. Korrespondierend zur Beschäftigungsentwicklung waren es wiederum die mittleren (10 bis 49 Mitarbeiter) und größeren (50 und mehr Mitarbeiter) Mittelständler, die überdurchschnittlich vom Wirtschaftsaufschwung profitieren konnten.
Die Umsatzerwartungen für dieses Jahr deuten darauf hin, dass der Mittelstand auf Wachstumskurs bleibt, wenn auch die bisherige Dynamik etwas nachlassen dürfte. Ähnlich zur Be-schäftigungsentwicklung werden die positiven Erwartungen insbesondere vom Verarbeitenden Gewerbe und von den größeren Mittelständlern getragen.
Einschätzung der mittelfristigen Entwicklung
Die mittelständischen Unternehmen sehen sich auch mittelfristig auf einem soliden Wachs-tumspfad. Mehr als die Hälfte der KMU (53 %) sieht derzeit keine spezifischen Hemmnisse, welche die Entwicklung ihres Unternehmens in den kommenden drei Jahren behindern dürften.
Am stärksten fühlen sich die deutschen Mittelständler von gesetzlichen und bürokratischen Hürden in ihrer Entwicklung behindert. Sicherlich auch als Folge von Finanz- und Eurokrise, die mit entsprechenden Unsicherheiten für die weitere Entwicklung einhergehen, werden schlechte Finanzierungsbedingungen als zweithäufigstes Hemmnis genannt. Des Weiteren wurden als Wachstumshemmnisse die ungünstige Kostensituation, das schwierige Markt- bzw. Wettbewerbsumfeld sowie die ungenügende Umsatz- und Ertragslage genannt.
Investitionsverhalten und Finanzierungsquellen
Nach dem rezessionsbedingten deutlichen Rückgang 2009 konnte sich der Anteil investierender mittelständischer Unternehmen im vergangenen Jahr wieder etwas erholen. 47% der befragten KMU haben 2010 investiert, drei Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Wie schon 2009 blieb auch im vergangenen Jahr das Bestreben, durch Investitionen mit dem technischen Fortschritt mitzuhalten, dominierend. 59 % der Unternehmen nannten dieses als Investitionsmotiv. Auch die Erneuerung bzw. Erweiterung des eigenen Produktsortiments hat 2010 spürbar an Bedeutung gewonnen. Das Investitionsmotiv Umsatzsteigerung hat etwas an Bedeutung verloren, weist aber mit 51 % nach wie vor einen hohen Wert auf.
Auch im Jahr 2010 bleiben im deutschen Mittelstand Gewinne und Rücklagen die mit Ab-stand wichtigste Finanzierungsquelle der Investitionen. Nahezu die Hälfte des mittelständischen Investitionsvolumens (46 %) wird gegenwärtig aus eigenen Mitteln finanziert.
33 % der Finanzierungssumme im Mittelstand stammte 2010 von den Banken und wurde in Form von Krediten (inkl. Kontokorrent) in Anspruch genommen, wobei die Baubranche sogar 45 % ihrer Investitionen über Kredite finanzierte.
Deutlich mehr als jeder zehnte investierte Euro (13 %) wurde im Jahr 2010 über öffentliche Fördergelder finanziert, wobei im vergangenen Jahr vor allem der Einzelhandel mit einem Anteil von 18 % und das Verarbeitende Gewerbe mit 16 % überdurchschnittlich oft öffentliche Mittel in Anspruch genommen haben. Dagegen spielen Mezzanine- und Beteiligungskapital nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle.
Kundenorientierung und Spezialisierung sind die wichtigsten Innovationsstrategien
Die Innovationsaktivitäten der mittelständischen Unternehmen zielen in erster Linie auf Kundenorientierung und Spezialisierung ab. 61 % gaben an, individuelle Lösungen für ihre Kun-den zu verwirklichen und 47 % sehen die Spezialisierung auf einzelne Marktsegmente als zentrales strategisches Ziel ihrer Innovationsaktivitäten. 23 % gaben als wichtiges Ziel ihrer Innovationsaktivitäten an, in der Branche als Erster neue Produkte oder Dienstleistungen implementieren zu können. Es folgen mit jeweils 17 % die Einführung neuer Technologien bzw. die Übernahme der Technologieführerschaft.
Dabei zeigen sich hinsichtlich der Unternehmensgröße zum Teil deutliche Unterschiede. Während bei größeren Mittelständlern (50 und mehr Mitarbeiter) der Blick eher auf technologische Faktoren, wie die Übernahme der Technologieführerschaft (41 %), die Einführung völlig neuer Technologien (23 %) sowie die Kostenführerschaft (19 %) gerichtet ist, zielt die Innovationsstrategie der kleinen Mittelständler (1 bis 9 Mitarbeiter) in erster Linie auf eine stärkere Kundenorientierung durch die Schaffung individueller Lösungen für einzelne Kunden (62 %) ab.
Fazit des KfW-Mittelstandspanels 2011
Der Mittelstand ist deutlich gestärkt aus der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise der deutschen Nachkriegsgeschichte hervorgegangen. Der Anteil der Unternehmen mit gestie-genen Umsätzen war 2010 um 22 Prozentpunkte höher als der Anteil der Mittelständler, die Umsatzeinbußen verzeichneten. Ferner erwies sich der Mittelstand 2010 als wichtiger Beschäftigungsmotor.
Trotz schwelender Eurokrise verfügen die deutschen mittelständischen Unternehmen auch mittelfristig über gute Wachstumsperspektiven. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen sieht derzeit keine Hemmnisse, die die Entwicklung ihres Unternehmens in den nächsten drei Jahren wesentlich behindern würde.